Sport ist Mord



14.5.2001 Monika macht sich zu ihrem Jogging-Kurs am Maschsee auf. Dabei werden ein paar Stretching-Übungen gemacht. Bei einer Partner-Übung verliert sie das Gleichgewicht, fällt um und stützt sich mit ihrem Handgelenk auf. Das Ergebnis ist, wie später diagnostiziert wird, ein Trümmerbruch. Sie wird ins Krankenhaus Siloah gebracht. Dort hält man keine OP für nötig, dafür aber einen schön festsitzenden Gips.

15.5.2001 Gehandicapt, aber gefasst wird Neles Geburtstag begangen. Winfried ist mittlerweile zu Hause.

16.5.2001 Morgens werden die Schmerzen immer stärker. Fahrt ins Agnes-Karll-Krankenhaus Laatzen. Hier gibt es seit einigen Jahren ein sportmedizinisches Zentrum für Niedersachsens Leistungssportler. Entsetzen über die Versorgung des Bruchs durch die Kollegen. Mit chrirurgen-typischem Taktgefühl der Hinweis, dass bei späterer Versorgung auch ggf. eine Amputation nötig gewesen wäre... Neuer Gips und die Vereinbarung einer stationären Aufnahme am Nachmittag. Gegen Mittag bekommt Monika rapide zunehmende neue starke Schmerzen. Wieder Fahrt ins Krankenhaus. Nur keine Panik, die Patientin haben wir doch schon morgens versorgt. Unterdessen werden die Finger annähernd schwarz und verlieren jegliches Gefühl. Winfried öffnet eigenmächtig den Gips. Als die Ärzte eintreffen, beginnt das große Krisenmanagement. Sofortige OP. Ergebnis: (in Laiensprache) eine seltene Komplikation (ausgetretenes Blut drückt das Gewebe auf die Nerven) führte zu dieser bedrohlichen Situation. In einem "Abwasch" wird mittels einer Platte und vier Drähten der Bruch gleich mitversorgt. Schon nach dem Aufwachen aus der Narkose kann sie die Finger wieder bewegen...

25.5.2001 Monika bekommt einen neuen Gips mit himmelblauem Schleifchen und wird aus dem Krankenhaus entlassen. Am 14. Juni soll sie wiederkommen, um sich Gips und Nägel entfernen zu lassen. In einem Jahr darf sie überlegen, ob sie die Platte loswerden oder für den Rest ihres Lebens behalten will...
Zu Hause wird nun überlegt, wie die lebenserhaltenden Funktionen sicherzustellen sind; für die Körperpflege kommt eine nette Dame der Sozialstation, den Rest erledigen Tabea und Nele.

10.6.2001 (Ein fast historisches Dokument) Monika mit Gipsarm beim Konzert in Gödringen


14.6.2001 (Fronleichnam) Zeitgleich zur Prozession werden Gips und Nägel entfernt. Die "Wundmale" werden noch diskret mit Pflastern verdeckt...
Seitdem laufen die Bemühungen um Schmerzfreiheit und volle Beweglichkeit, sprich: mehrmals in der Woche Training mit der Krankengymnastin. Das große Ziel heißt: Am ersten Schultag mit Schönschrift an die Tafel schreiben können!

18.7.2001 Hiob lässt grüßen! Nachdem schon die Krankengymnastinnen einen Verdacht hegten, lässt das Röntgenbild die Ahnung zur Gewissheit werden: Der Bruch ist nicht richtig verheilt, die Platte steht über, was eine erneute Operation notwendig macht. (Eine seltene Komplikation, die nur alle fünf Jahre einmal vorkommt... nur: was hilft's?) Für die OP soll ein Stück Hüftknochen als Keil in den Arm eingesetzt werden. Vorschlag des Krankenhauses: vielleicht erst einmal die Handchirurgie der Unfallklinik Hannover befragen...

23.7.2001 Bei der Handchirurgie: Diagnose wird bestätigt, allerdings müsse vor einer OP erst die Entzündung im Arm abgeklungen sein. Diese Komplikation trete vor allem bei Personen auf, die sich nicht über ihren erzwungenen Ruhestand freuen könnten, sondern liebend gerne sobald als möglich arbeiten wollten. Therapie: absolute Schonung und das Verbot, Dinge über 200 Gramm zu bewegen. Therapiedauer: von ein paar Wochen bis zu einem Jahr...

Derart moralisch aufgebaut, darf Monika jetzt jeden Tag zu einer speziellen Handtherapie (Krankengymnastik und Ergotherapie) gehen. Mit den vorgeschlagenen Übungen kann sie locker den ganzen Tag verbringen.

27.8.2001 Neuerliche Untersuchung: Mit der Krankengymnastik kann jetzt nichts mehr Entscheidendes verbessert werden. Die Knochen müssen aber noch fester werden. Als OP-Termin wird der 23. Oktober festgelegt.

Neuer Termin für die OP ist jetzt der 1. November. Alle Heiligen werden mit ihr sein...

1.11.2001 Unfallklinik Hannover, Handchirurgie. Zu der vorhandenen Platte kommt noch eine weitere hinzu. Außerdem wird ein Stück Knochen aus der Hüfte eingesetzt. Nach ärztlicher Auskunft ist die OP gut verlaufen... Tel.Nr. und Zimmer gibts auf Anfrage.

7.11.2001 Überraschung! Wegen "guter Führung" wird Monika vorzeitig entlassen, versehen mit einem knallroten "soft-cast" (früher sagte man Gips dazu...).

12.11.2001 Die nächste Überraschung: Statt eines neuen Gipsarmes kommt Monika ganz ohne nach Hause. "Sammeln Sie mal Ihre Erfahrungen damit", wird ihr von der Professorin bedeutet. Die Auflage, nichts Schweres zu bewegen, ist schon bekannt, nur wird jetzt die Schwelle auf 100 Gramm herabgesetzt. Und so verbringt sie jetzt die Zeit, die neue OP-Narbe auf dem Handrücken zu pflegen, während die Familie sie beim Haarewaschen und Sockenanziehen tatkräftig unterstützt.

3.12.2001
Es geht voran: Ab jetzt darf Monika auch wieder dreimal die Woche zum "Training" gehen. Krankengymnasten und Ergotherapeuten kümmern sich nun wieder liebevoll um sie.

21.12.2001
Auch das Land Niedersachsen erinnert sich seiner Beamtin und verschafft ihr einen Termin beim Amtsarzt. Der ist einigermaßen irritiert jemanden vor sich zu haben, dessen primäres Interesse nicht der Ruhestand ist. Ergebnis dieser vorweihnachtlichen Untersuchung ist die Anweisung, dass Monika ab Februar mit 10 Wochenstunden wieder in der Schule anfangen darf.

1.2.2002
Mit Mathe, Religion und der Kooperation mit der Eberhard-Schomburg-Schule werden die 10 Wochenstunden ausgefüllt.

Ende April
Die Mühe mit mehrmaligen wöchentlichen Terminen bei Krankengymnasten und Ergotherapeuten hat sich gelohnt: Das Fahrradfahren geht wieder...und die erste Autofahrt wird auch lebend überstanden.

14.6.2002
Dreizehn Monate danach: Monika kommt wieder "unters Messer". Unter Lokalanästhesie werden ihr sechs Schrauben und zwei Metallplatten entfernt. Schon wenige Tage danach darf sie nach Hause, soll das Gelenk aber noch nicht belasten.

Monika darf wieder mit voller Stundenzahl in die Schule. Krankengymnastik und Ergotherapie laufen aber noch weiter.


12.12.2002
Krankengymnastik und Ergotherapie sind abgeschlossen. Fazit: besser geht's nicht mehr. Zurückbleiben die Narben, geringere Kraft in der Hand, sowie die Angst bei Glatteis o.ä. nochmals hinzufallen.

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